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Die Grünen im Kreis Calw

Dammbrüche beginnen mit ersten Rinnsalen

Die direkte Anbindung an die Autobahn vereinfacht den Verkehr in das Enz- und Nagoldtal.

Der Grüne Arbeitskreis Mobilität befürchtet negative Folgen. 

 

Bild: Pixabay

Aus der Präsentation des RP Karlsruhe zum Bürgerforum am 18.02.2020

 



Demnächst ist er fertig. Der Arlinger-Tunnel wird die Autobahn- Abfahrt Pforzheim-West von der A 8 ohne Umwege mit der B 294 verbinden. Direkt hinter Brötzingen wird diese seit Jahren im Bau befindliche neue Westtangente die Autobahn mit dem Enztal verbinden. 
Ausführlich haben die Mitglieder im Arbeitskreis Mobilität von Bündnis 90/Die Grünen im Kreis Calw sich damit beschäftigt. Im Bundesverkehrswegeplan BVWP stießen sie auf das umfangreiche Projekt „Westtangente“ – mit Abschnitt A und B. Abschnitt A wird demnächst eingeweiht. Ein Projekt, von dem Politiker der Region wenig berichteten. Auch nicht bei der heftigen Diskussion um die Erweiterung der B 463 auf drei Spuren zwischen Dennjächt und Bad Liebenzell. 

 


Aus der Präsentation des Regierungspräsidiums Karlsruhe zum Bürgerforum am 18.2.2020
Über die A8-Anbindung an das Enztal denken sicher viele Menschen: „Das ist praktisch. Wer nach Wildbad oder weiter ins Enztal vielleicht zur Firma Boysen will, muss nicht mehr bis runter nach Pforzheim.“ 
Nun folgen die Planungsarbeiten für den Abschnitt B: Der zweite großer Tunnel wird durch den Sonnenberg bis südlich von Dillweißenstein führen und ab dort das Nagoldtal anbinden. Ist das dann auch nur „praktisch“? Immer mehr Tagesausflüge und LKW.

 

 

Der Nordschwarzwald wurde in den letzten Jahren zunehmend mit Event-Geräten möbliert. Sie dienen als Magneten für Tages-ausflüge. Die Investoren werden nur dann zufrieden sein, wenn viele Gäste, sprich: Autos und Busse den Weg zu den Türmen, Klettergärten und Loipen finden. Die attraktive Natur und die Stille der Wälder werden stark belastet. An den Wochenenden hallt der Lärm von Motorrädern durch die Täler und wird zum allgemeinen Ärgernis.

Nix mehr mit „Oh, Du stilles Tal!“

 

 


Ist es darüber hinaus nicht auch denkbar, dass diese großräumige Westtangente für mehr, noch mehr Verkehr entlang von Enz- und Nagold sorgen könnte, fragt sich der Arbeitskreis. Könnte es nicht sein, dass sich gerade entlang der Nagold eine Art Abkürzung unter den LKW-Fahrern herumspricht, wenn die A 8, wie so oft, überlastet ist? Entpuppt sich die „praktische“ Anbindung an die Autobahn nicht als kleines Rinnsal, das immer mehr Wasser anzieht und am Ende zum Dammbruch führt? Folgt dann der dreispurige Ausbau entlang von Enz und Nagold, nach der Logik, wenn schon, denn schon? 

 

Diese Fragen beschäftigen den Arbeitskreis und er versucht darauf Antworten zu finden. Denn – natürlich – sind die Frauen und Männer der Grünen sehr daran interessiert, dass die Natur der schönen Flusstäler in ihrer Heimat nicht nur als Ressourcen betrachtet werden, die im Zweifel dem ökonomischen Denken Platz machen müssen. Das wäre wieder ein Puzzle-Stück mehr, aus denen sich die ökologischen Krisen unserer Zeit zusammensetzen. Die Erderhitzung und das Artensterben, Extremwetterereignisse, Verarmung und Verschmutzung, Versäuerung und Vergiftung unserer Böden, Luft und Wasser – alles das fällt nicht vom Himmel, sondern ist die direkte Folge auch unserer immer weiter forcierten Mobilität. Aber: Natur ist nicht beliebig verfügbar!  
Dass die Bevölkerung in die langfristige Planung nicht einbezogen wird und bis heute davon kaum Kenntnis hat – genau das will der Arbeitskreis durch sein Engagement ändern!
 

Bericht: Albrecht Martin, Pressereferent, KV Calw, Bündnis 90/Die Grünen

 

Der Bericht in der Pforzheimer Zeitung - Nordschwarzwald in der Ausgabe vom 03.05.2022

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