Die Grünen im Kreis Calw

 

Krankenhäuser und Gesundheitsversorgung


Gesamtsituation  -  was haben wir ,  was brauchen wir?


Insgesamt haben wir sicher ein hochwertiges Gesundheitssystem. Eine immer bessere Medizin durch Forschung und Entwicklung bedeutet zugleich eine starke Spezialisierung bei Ärzten und Kliniken und ermöglicht auch, dass vieles schneller oder ganz ambulant passiert. Man liegt oft nur noch wenige Tage im Krankenhaus, sodass wir insgesamt zu viele Krankenhausbetten in Deutschland vorhalten.

 

Ein weiterer Punkt ist der Mangel an Ärzten und Pflegepersonal. Mehr als 2/3 der heutigen Medizinstudenten sind weiblich, die  -  zum Glück  -  auch Familie gründen wollen. Kleine Krankenhäuser mit relativ vielen Nachtdiensten oder sogar die klassische Landarztpraxis sind infolgedessen nicht sehr attraktiv, weil Teilzeit und familienfreundliche Arbeitszeiten schwierig machbar sind. Deshalb erleben wir das Ausbluten der Hausarztpraxen in den Dörfern (aktuelles Bsp.: Neuweiler) und auch den Trend zu den großen Kliniken. Ein weiteres Problem ist die üppige Vergütung vor allem für möglichst spezialisierte Operationen (z. B. auch für private Tageskliniken ohne Nacht und Wochenende), während die Grund- und Notfallversorgung "rund um die Uhr" nicht auskömmlich ist. Gerade diese wohnortnahe Grundversorgung brauchen wir aber, besonders für die alternde Bevölkerung auf dem Land. Auch deshalb kämpft der Kreis Calw wie viele andere Kommunen gegen hohe Defizite.

Politische Zuständigkeiten – wer entscheidet was?



Krankenkassen und generell die Vergütung medizinischer Leistungen, kurz gesagt  der „laufende Betrieb“ ist Sache des Bundes. Es ist zu befürchten, dass die aktuell diskutierte Krankenhausreform die kleinen Kliniken im Blick auf Grundversorgung und Personalausstattung weiter schwächen wird, weshalb die Landesregierung im Bundesrat auch Korrekturen eingebracht hat.

 

Andererseits ist der finanzielle Druck auf den Bundesgesundheitsminister auch immens, denn trotz aller Kritik will niemand  -  auch nicht die Wähler  -  höhere Beiträge oder Steuern bezahlen (siehe Rot- Grüne Niederlage bei der Bundestagswahl 2013). Im sogenannten Dualen System der Krankenhausversorgung ist das Land für die Investitionsförderung in Gebäude und Technik zuständig. Die Zuschuss- Mittel wurden in den letzten Jahren deutlich erhöht, wovon auch wir im Kreis Calw profitieren.


Zukunft der Krankenhäuser im Kreis Calw – was ist geplant?


Calw hat trotz vieler Sanierungen das mit Abstand älteste Krankenhaus, dazu ist es durch die besondere Hanglage ziemlich verbaut. Kaum irgendwo ist die Ambulanz im 2. Stock, muss der Notfall in einen Aufzug. Deshalb empfehlen Gutachter sowie Land und Krankenkassen als Zuschussgeber einen kleineren, kompakten Neubau. Als „Altbau- Architekt“ fiel mir das nicht gerade leicht. Aber   -  auch nach vielen Gesprächen mit den Kritikern der Bürgerinitiative  -    sehe ich darin die beste Chance, den Krankenhausstandort Calw langfristig zu halten. Dies wäre übrigens keine Selbstverständlichkeit, wenn wir an vergleichbare Städte denken wie Horb, Hechingen etc.


Mir wäre lieber gewesen, nicht auf die Grüne Wiese mitten im Gewerbegebiet "Stammheimer Feld" zu bauen, aber bei der Stadt Calw (zuständig für die Flächenplanung) fand ich dafür keine Mitstreiter. Das Bauknecht-Areal als denkbare Alternative wäre sicher viel schwieriger gewesen. Aber diese „Altlast“ muss ja sowieso angegangen werden.


Das Nagolder Krankenhaus soll durch Umbau und Erweiterung etwas vergrößert werden.
Mein Antrag, bei den Baumaßnahmen frühzeitig eine hocheffiziente Energie- und Gebäudetechnik anzustreben, fand grundsätzlich Gehör. Um seine konkrete Umsetzung werden wir noch kämpfen müssen.


Wichtig sind meines Erachtens 2 weitere Punkte:

  • Gerade durch Spezialisierung und Personalknappheit ist der Klinikverbund mit dem Kreis Böblingen wichtiger denn je, weil durch Personalaustausch und Zuweisung in die verschiedenen Fachabteilungen gemeinsam agiert werden kann. Da ist zugegeben vieles noch im Argen, aber die Alternative „jeder auf eigene Faust“ ist heute gar nicht mehr denkbar. Noch besser wäre deshalb, auch Freudenstadt besser einzubinden.
  • Durch die Knappheit an Haus- und Fachärzten gibt es eine ganz neue Entwicklung: Die Gründung von sogenannten Medizinischen Versorgungszentren sowie von Notfall- Praxen (Bsp. Calw) an den Kliniken. Diese Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung stärkt die wohnortnahe Gesundheitsversorgung und das wichtige Grundprinzip: „erst zum Arzt vor Ort;  wenn nötig, weiter zum Spezialisten“. Wir Grünen propagieren dieses Prinzip schon lange.

 

Fehlende Hausärzte in den Dörfern – was kann man tun?

 

Damit ist den Neuweiler Bürgern, die inzwischen keinen Hausarzt mehr vor Ort haben, noch nicht direkt geholfen. Aber das Ziel, auch in Zukunft Landärzte zu gewinnen, kann nur aus einem attraktiven Netzwerk heraus gelingen. Deshalb wird am kommenden Montag ein Stipendienprogramm für angehende Ärzte im Kreistag beraten. Schon im Ausschuss habe ich dafür plädiert. Die Wirkung kommt zwar erst in einigen Jahren, aber die Richtung und das Signal stimmen.               

 

Die Landesregierung hat mit einem Aktions- und Förderprogramm „Landärzte“ reagiert. Interessant sind auch Projekte mit mobilen Praxen, quasi ein „Arzt auf Rädern“ sowie kommunal vorgehaltene Praxisräume, wo Haus- und Fachärzte Stundenweise Sprechstunde halten können. Wie schnell und befriedigend diese Ansätze helfen, bleibt abzuwarten.

Soweit für heute                   Freundliche Grüße von  Johannes   „Joe“    Schwarz


Hinweise

 

Der nächste Newsletter erscheint heute in 2 Wochen zum Thema "Straßenbau"

 

Dieser Newsletter darf gerne an Interessierte weitergeleitet werden.         

Wer den Newsletter nicht mehr will, bitte ich um eine kurze Mail.

 

Termine:

Samstag 25. Juli 2015, ab 16.00 Uhr Sommerfest der GRÜNEN bei Familie Jourdan in Althengstett,  Friedhofstr. 33

 

Donnerstag 10. September 2015, abends,  Maria Heubuch, Europaabgeordnete und selbst Milchbäuerin im Gespräch mit Vertretern aus Land- und Lebensmittelwirtschaft