erschienen im Stadtboten Bad Liebenzell, Woche 6/2020. Die Bemerkung über CDU und ihre WerteUnion wurde von der Stadtverwaltung gestrichen.

Nach der großen Weltwirtschaftskrise 1929 kamen rechtsradikale Parteien auf. Von Japan bis Deutsch­land. Bei uns endete das im Rassenwahn, Antisemi­tismus und Massenmorden des Hitler-Regimes, nachdem die Mehrheit gehofft hatte, der „starke Mann“ wäre in der Lage, für alle wieder großartige Verhältnisse herzu­stellen. Also wurde – mal wieder – das sogenannte „Welt­juden­tum“ zum Feind aus­ge­­guckt und die germanische Rasse als die beste in der Welt hoch­stilisiert. Das elektrisierte damals die Massen und machte sie blind.

 

Seit der großen Finanzkrise 2008, die ihren Ur­sprung in massenhaft verscherbelten, wertlosen Baukrediten aus den USA hatte, ist wieder alles aus den Fugen geraten. Mit maßlosen Mengen billigen Geldes wurde und wird der Laden zwar zusammen­gehalten, aber das grund­legende Vertrauen der Nachkriegszeit ist weg. Die Spar­gut­haben darben. Der gesellschaftliche Zusam­men­­­halt in Gefahr. Faschistische Sprache hat in den Parlamenten Einzug gehalten und ein Feind – die Flüchtlinge aus dem Süden – ist auch schon gefunden. Auch Anti­semitismus macht sich wieder breit.

 

Dazu kommt jetzt noch die Klimakrise. War der demokratische Zusammenhalt eine Schönwetter-Veranstaltung? Der Wohlstand wuchs und jede Generation konnte sich mehr leisten als ihre Eltern. Jetzt aber ist scheinbar das Ende der Fahnenstange erreicht und die Ellenbogen werden ausgefahren. Rechtsradikale Gruppen kochen auf dem Unmut ihr braunes Süppchen: Hass und Hetze vergiften den Alltag. Über die WerteUnion schwappt das hinein bis in die CDU.

 

Dem liegt ein großer Irrtum zugrunde: Wir verlieren gerade die Orientierung, weil wir (noch) nicht sehen und erleben, dass auch ohne fossile Energie­träger wie Kohle, Öl und Erdgas und ohne die Ver­schwen­dung von Rohstoffen sehr wohl ein richtig gutes Leben für alle möglich ist! Der Weg dahin ist eine – durchaus an­strengende – öko-soziale Moderni­sierung, ein Green New Deal, um quer durch die Volkswirtschaft auf Nach­haltigkeit umzustellen. Das geht. Natürlich. Das macht zwar anfangs Angst, weil die gewohnte Spur verlassen werden muss. Aber es eröffnet auch die Chance für uns Menschen, das zu machen, was wir am liebsten tun: mit unserem Hirn Probleme lösen und ganz neu über die Zusammen­hänge und unser Leben nachzu­denken. Das meinte wohl Kanzlerin Merkel, als sie aufforderte, das neue Denken zu wagen. Oder eher: „das Neue denken“!

 

Wie über das Neue miteinander nachgedacht wer­den kann, zeigt uns die Nachbargemeinde Wildberg. Dort wurde – nach einer Umfrage in der Bevölker­ung – im letzten Jahr aus Ver­tre­tern der Stadt, der Vereine, der Kirchen und aus der Zivilge­sellschaft ein Nachhaltig­keitsrat gebildet. 32 Menschen haben nun schon einige Male – profes­sionell begleitet – über eine nachhaltige Stadtent­wicklung beraten. Mit sehr attrak­tiven Ergebnissen. So geht das, so lebt Demo­kratie!

 

Albrecht Martin

 

Grüne Termine

Donnerstag, 13.2.2020, 19.30 Uhr:

Grüner Stammtisch bei Dagmar und Clavigo Lampart, Zainen