Die Zweifler

erschienen im Stadtboten Bad Liebenzell, Woche 42/2019

Beim Uno-Gipfel zum Weltklima sagte die Bundes­kanzlerin Merkel zu den, gelinde gesagt, vorsichtigen Beschlüssen der Koalition anlässlich der Klima­kata­strophe: „Es gibt diejenigen, die uns Druck machen. Aber es gibt auch Zweifler“. Erstmal ist Zweifel ja eine gesunde Reaktion. Das ist besser, als alles blind zu glauben. Also ist es gut, die Aussagen zu überprüfen. Zumal, wenn es darum geht, unsere Industriegesellschaft komplett naturverträg­lich umzubauen – weil wissenschaftliche Aussagen uns dazu drängen … und mit ihnen die Bewegung Friday for Future, die ja weltweit auch von der Wissen­schaft unterstützt wird. Wie überprüft man nun die Aussage, dass der Klima-wandel menschengemacht ist und dass er deshalb auch von den Menschen gestoppt werden kann? Unter Wissenschaftlern gibt es die sehr gute Regel, dass eine Veröffentlichung in einer hoch ange­sehenen Fachzeitschrift wie zB „nature“ erst dann gedruckt wird, wenn zwei weitere Wissenschaftler vom Fach den Artikel für gut befinden. „Evidenz“ nennt sich die so geprüfte Gewissheit. Kürzlich wollte die AfD, die ja gerne Zweifel unter das Volk sät und damit ihr Geschäft macht, die Gewiss­heit der Aussage vom menschengemachten Klima­wandel anzweifeln. Sie stellte eine Anfrage im Bundestag, ob denn wirklich 97% aller Wissenschaft­ler hinter dieser Aussage stünden. In ihrer Antwort musste die Bundesregierung zugeben, dass diese Zahl veraltet sei. Denn nach neuesten Ergebnissen von 2016 sind inzwischen 99,9% aller Fachwissenschaftler der Ansicht, dass die durch uns Menschen in die Atmosphäre geblasenen Treibhausgase (CO2, Methan) die Ursache für den gefährlichen Klima­wandel sind. Welche Zweifler meinte also Frau Merkel in New York? Wem zuliebe sind die Klimabeschlüsse so verzagt ausgefallen, dass ihre Lenkungswirkung für die nächsten Jahre nicht feststellbar ist. Es wäre doch besser, diejenigen, die sich durch die (mal wieder entlarvten) Profiteure des Zweifels verun­sichern lassen, landauf, landab an runde Tische zu bitten und gründlich aufzuklären? Mitwirkung der Parteien an der politischen Willensbildung – heißt das im Parteien­­gesetz. Und damit ist sicher mehr gemeint, als in Talkshows zu sitzen. Wir sind dafür, dass in Bad Liebenzell das ständige Gespräch über die notwendigen Klima-Maßnahmen organisiert und im kreativen Dialog geführt wird.

Albrecht Martin, für die Grünen Bad Liebenzell